Raupennahrungspflanzen:
Die Raupen befressen Helianthemum nummularium und seine Kleinarten. Bislang gelang hingegen kein Nachweis von H. alpestre. Nachweise von Potentilla beruhen eventuell (meist?) auf Verwechslungen mit ähnlichen Pyrgus-Arten, häufen sich aber im nördlichen Mitteleuropa und sollten weiter untersucht werden (Genetik). Zudem sind weitere Beobachtungen etwa vom Taxon accretus (lebt an Potentilla und Helianthemum) aus SW-Europa wünschenswert. Ich bin für alle diesbezüglichen Beobachtungen oder auch Zuchtmaterial dankbar!
In den Alpen und bei alpigenen Populationen (Schwäbische Alb) kann Potentilla jedenfalls sicher als Freiland-Nahrung ausgeschlossen werden.
Lebensraumansprüche:
Pyrgus alveus besiedelt Magerrasen im weiteren Sinn. Auch diese Art bevorzugt magere Flächen mit viel Sonnenröschen, ist aber nicht auf derart magere und niedrigwüchsige Flächen wie etwa P. serratulae oder P. cirsii beschränkt. Der Falter hält sich auch in geschlossenen Magerrasen, sofern Helianthemum noch in größerer Dichte vorkommt. Die Flächen sind meist beweidet (Wanderschäferei). Wenn nicht mehr, müssen flachgründige Stellen etwa mit Felsen etc. vorhanden sein. Trotzdem ist dann ein Aussterben zumindest langfristig wahrscheinlich.
Entwicklungszyklus:
Die Larvalentwicklung ist sehr variabel. Teilweise ist eine "Vereinheitlichung" der Phänologie festzustellen, bei der die Falter von Mitte Mai bis Anfang oder Mitte Juli fliegen und die Raupen als L4 überwintern. Andernorts ist die Flugzeit ausgedehnter mit Faltern noch im September oder gar Anfang Oktober. In den Alpen ist dies die Regel, und die Raupen überwintern als L2-4, vielleicht gelegentlich auch als L1. Dazu kommt noch, dass die Raupen unterschiedlich lange Dormanzphasen durchlaufen können und teils vier und teils fünf Häutungen (bei sehr langsamer Entwicklung möglicherweise noch mehr) durchmachen, was bei Nachkommen eines einzigen Weibchens aus den Alpen in der Zucht beobachtet wurde. Diese Befunde sprechen dafür, dass Pyrgus alveus recht "jung" ist und genetisch noch sehr variabel, was bei den Zygaenen etwa an die Verhältnisse bei Z. filipendulae erinnert. Eine gewisse Variabilität ist aber für weitere Pyrgus-Arten typisch, so P. carthami, P. armoricanus etc.
Gefährdung: gefährdet
Gefährdungsursachen:
In den Alpen ist der Falter fast überall zu finden, wo Helianthemum nummularium agg. vorkommt. Dagegen wird Pyrgus alveus in den Mittelgebirgen immer seltener aufgrund von Lebensraumverlust (durch menschliche Tätigkeiten aller Art und durch den Rückgang der Wanderschäferei).
Bemerkungen:
Die zeitweilig betriebene Abtrennung insbesondere von P. trebevicensis ist nach derzeitigem Stand des Wissens nicht mehr haltbar (vgl. Literatur). P. accretus ist hingegen möglicherweise als Unterart von P. alveus einzustufen (siehe P. accretus).
P. alveus agg. kommt von Nordwestafrika über Teile Europas (im Norden bis in die Südhälfte Skandinaviens) bis in die Mongolei vor, wobei die genaue taxonomische Situation vielerorts nicht bekannt ist. Vermutlich wird oft eine Einstufung bisher als Arten gehandelter Taxa als Unterart von P. alveus (P. accretus) oder gar die Eingliederung in ein anderes, schon vorhandenes infraspezifisches P. alveus-Taxon (P. trebevicensis) am sinnvollsten sein.
Hinweise zur Bestimmung:
Pyrgus alveus kann im Tiefland mit P. armoricanus verwechselt werden, wobei nur die Genitaluntersuchung sichere Ergebnisse liefern kann. In den Hochlagen der Alpen ist eine Verwechslung mit P. warrenensis nicht ausgeschlossen. Vor allem in den Südwestalpen und den Ostpyrenäen kommt mit P. bellieri eine weitere ähnliche Art vor, die aber mehr auf warme, submediterrane Plätze bis 1800m NN beschränkt ist. Dazu ist letztere Art kräftiger und weist als Männchen ein viel kräftigeres Haarbüschel an der Abdomenspitze auf. Von P. cirsii, P. serratulae oder P. carlinae kann Pyrgus alveus am besten durch die Hinterflügelunterseite (P. alveus meist mit großen weißen Flecken auf eher olivgrünem bis olivbraunem Grund) getrennt werden, wenn auch hier manchmal die Genitaluntersuchung nötig werden kann.
Insgesamt ist bei der Bestimmung von Pyrgus-Arten die Kenntnis der lokalen Verhältnisse und der Phänologie sehr hilfreich, wodurch sich allein oft schon die Beschränkung auf wenige mögliche Arten ergibt. Rein anhand von Photos ist eine Determination in vielen Fällen unseriös.