Zur Gefährdung der Schmetterlinge
Schmetterlinge sind heutzutage wie fast die gesamte uns umgebende Natur ernsthaft in ihrer Existenz bedroht. Ursache sind die sich aus der Bevölkerungsexplosion des Menschen und seiner immer weiter steigenden Lebensansprüche bei zu langsamem Technologiefortschritt ergebenden Probleme. Denn wie schon der Schmetterlingsexperte H.-J. Weidemann 1995 (siehe Literatur) schrieb, braucht Leben Lebensraum, um überleben zu können. Doch durch vielfältige Art und Weise wird der Lebensraum der Tier- und Pflanzenarten auf der Erde immer weiter eingeschränkt. Nun sind viele Schmetterlinge auf ganz bestimmte Lebensräume angewiesen. Es reicht bei weitem nicht aus, dass etwa die Raupennahrungspflanze einer Art in ausreichender Menge an einem Standort vorkommt. Wichtig sind vielmehr auch der Zustand der Pflanze (Nährstoffbedingungen, Wuchsform), die mikroklimatischen Verhältnisse, die mechanischen Bedingungen (Mahd, Beweidung, Tritt etc.) sowie das Vorhandensein weiterer, etwa für andere Entwicklungsstadien notwendiger Requisiten (z.B. Faltersaugpflanzen). Dazu kommen Faktoren wie Flächengröße und Isolationsgrad des Fundortes, was beides wichtige Kenngrößen für die langfristige Überlebensfähigkeit der Population sind.

Diese Überlegungen sollen an einem Beispiel erläutert werden. So ist der Dickkopffalter Pyrgus cirsii bei uns unmittelbar vom Aussterben bedroht, obwohl seine Raupennahrungspflanze, das Fingerkraut Potentilla neumanniana doch noch an zahlreichen Stellen wächst. Der Schlüssel für das Verständnis des Rückgangs der Art liegt in den Ansprüchen an das Larvalhabitat. Pyrgus cirsii legt nur dort Eier ab, wo die Nahrungspflanze unter extrem warmen mikroklimatischen Bedingungen wächst, nämlich an nur sehr schwach mit höheren Pflanzen bewachsenen, oft felsigen, moosreichen Stellen, die meist extensiv in Wanderschäferei beweidet werden. Wenn der Graswuchs zu dicht wird, werden keine Eier mehr abgelegt. Dazu sind die Falter sehr flugaktiv und beanspruchen große Lebensräume. Doch infolge von Eutrophierung (auch aus der Luft: Stickstoffdeposition), Verbrachung der einstigen Weidetriften, Verbuschung, Aufforstung, Überbauung für Straßen und Wohngebiete, Abbaumaßnahmen (Kalkstein) usw. werden die besiedelbaren Kalkmagerrasen immer weniger und die verbliebenen immer kleiner, so dass der weit fortgeschrittene Verdrängungsprozess der Art kein Wunder ist. So kam P. cirsii einst zwar zerstreut aber doch auf der gesamten Schwäbischen Alb vor. Davon ist heute nur mehr ein einziges, bedrohtes Vorkommen übrig geblieben! Der vielfach diskutierte Einfluss von Klimaschwankungen bei solchen am Rande ihres Gesamtareals lebenden Arten sollte immer auch im Zusammenhang mit der Verschlechterung der Biotopqualität gesehen werden.

Diese beschriebenen Ursachen gelten in ähnlicher Form auch für andere einheimische Lebensräume. Dabei ist zu beachten, dass Schmetterlinge meist auf magere, d.h. nährstoffarme und lichte, sonnige Strukturen angewiesen sind. Den höchsten Artenreichtum haben bei uns Magerrasen im trockenen (z.B. Wacholderheiden) und feuchten (Kalkflachmoore) Bereich. Dies liegt daran, dass hier unglaublich viele Nischen (z.B. mehrere 100 Pflanzenarten) die Koexistenz einer hohen Artenzahl ermöglicht. Das uniforme, aus vielleicht 10 bis 20 Pflanzenarten bestehende Einheitsgrün unserer begüllten, oft genug EU-geförderten Wirtschaftswiesen ist dagegen für Schmetterlinge völlig uninteressant.
Paradox mag klingen, dass viele dieser mageren Lebensräume ihre Existenz einst dem Menschen verdankten. In einer Zeit, als es noch keinen Kunstdünger gab und als andere Viehhaltungsformen verbreitet waren, wurden etwa Pfeifengraswiesen (Einstreu für Ställe), Heidegebiete ("Plaggen" = Entfernen der Streuschicht, um diese auf Äckern zur Düngung zu verwenden) und Schafweiden (Pferchen der Schafe nachts auf Ackerflächen zur Nährstoffanreicherung) als wertvoll betrachtet. Doch mit dem Wandel der Landwirtschaft wurden solche Flächen nicht mehr gebraucht und als unnützes Ödland der Vernichtung preisgegeben. Flachmoore wurden für die Landwirtschaft entwässert, gedüngt und so in Intensivgrünland oder Maisäcker umgewandelt. Magerrasen erging es ebenso. Dazu kommen Aufforstungen mit ökologisch nahezu wertlosen Nadelhölzern, Überbauungen aller Art, Errichtung von Grillplätzen, Müllkippen etc., so dass heute beispielsweise von den bekannten Lechhaiden in Süddeutschland 99% zerstört sind.
Man könnte einwenden, dass ja eine Vielzahl dieser Lebensräume ihre Existenz erst dem Menschen verdankten. Doch den einstigen Primärlebensräumen der Urlandschaft Mitteleuropas erging es kaum besser. Einst im Voralpenland und einigen Mittelgebirgen ausgedehnte Hochmoore mit ihrer zwar artenarmen, aber hoch spezialisierten Artengemeinschaft wurden abgetorft und in landwirtschaftliche Nutzflächen oder Fichtenmonokulturen umgewandelt. Auch die die Hochmoore umgebenden, artenreichen Flachmoorbereiche werden bevorzugt "aufgefichtet", d.h. mit dem ökologisch im Flachland fast wertlosen Brotbaum der Forstwirtschaft, der Fichte, zugepflanzt.
Als weitere natürliche Lebensräume wurden schnell die ausgedehnten Umlagerungsstrecken der aus den Alpen kommenden Flüsse wie Rhein, Iller, Lech und Isar bis auf winzige Reste durch Kanalisierung, Staustufenbau und Elektrizitätsgewinnung vernichtet. Hier hatten sich u.a. einst natürliche, einer hohen Dynamik unterliegende artenreiche Kalkmagerrasen entwickeln können.

Und wie erging es dem Wald, den wir doch eigentlich so lieben? Nun, der Urzustand vor der Umgestaltung durch den Menschen war nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kein dichter lichtarmer Wald, sondern ein Mosaik der unterschiedlichsten Sukzessionsstadien mit vielen lichten Bereichen etwa in der Zerfallsphase (u.a auch durch Wildtiere bedingt, Stichwort Megaherbivoren). In den vergangenen Jahrhunderten wurde ein Teil des Waldes gerodet und der verbliebene durch Waldweide, Nieder- und Mittelwaldwirtschaft, Holzkohle- und Streugewinnung genutzt bzw. geschädigt, wie der Förster sagen würde. Aber was bedeutete dies für die Schmetterlinge? Dazu muss man wissen, dass auch die allermeisten der als Waldbewohner charakterisierten Arten in Wirklichkeit Waldsaumbewohner sind. Das heisst, sie brauchen lichte, sonnige Strukturen. So wurden infolge der durch die genannten Ursachen geförderten Versaumungsvorgänge im Wald die meisten lichtliebenden Tier- und Pflanzenarten stark begünstigt und konnten sich ausbreiten. Doch nach und nach fand bedingt durch Holzmangel ein Umdenken dahingehend statt, dass nun eine planmäßige Forstwirtschaft eingeführt wurde. Dabei begann das dichte Aufforsten mit standortfremden Nadelhölzern, aber auch mit Ahorn etc., das bis heute fast jede Lichtung erfasst hat. So kam es zur "Entsaumung"und die einst lichten Wälder wurden zum lichtarmen Fichtenacker oder Hallenbuchenwald degradiert. Durch Wald-Weide-Trennung wurde der Effekt verstärkt, und selbst heute wird dies auch in den Bergwäldern forciert. Dazu kommt noch die Eutrophierung durch luftgetragene Schadstoffe (u.a. Brombeer- und Brennesselexplosion) und die immer weitere Ausbreitung von Neophyten wie Solidago canadensis und Impatiens glandulifera, so dass es heute nur mehr wenige lichte Wälder gibt! Auch die stellenweise noch lange weitergführte Nutzung als Nieder- und Mittelwald etwa zur Brennholzgewinnung wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts allmählich aufgegeben. Der heutige Wald hat demnach in weiten Bereichen nichts mit dem ursprünglich natürlich vorhandenen Wald zu tun und selbst neu eingerichtete "Urwaldreservate" (z.B. Bayerischer Wald) können diesen Zustand wegen veränderter Rahmenbedingungen heute nicht mehr erreichen! Nach einer zumindest für die meisten Arten eher förderlichen, begrenzten "Raubbauwirtschaft" im Mittelalter kam es somit in unseren Tagen zu einer massiven Verarmung der Wälder im Vergleich zum ursprünglichen Urwald Mitteleuropas. Ein weiterer Aspekt ist hierbei der Auwald. Gerade in den weich- und unterholzreichen, äußerst diversen Auwäldern wurde - da sie nur wenig Nutzholz lieferten - die größten Zerstörungen angerichtet. Durch Unterbindung des natürlichen Wasserführungsregimes der Flüsse (Hochwasserschutz), Auffichtungen, Straßenbau, Besiedelung und Umwandlung in Maisäcker wurden auch hier weit über 95% zerstört. Noch heute wird beispielsweise im Illerauwald westlich Memmingen (Süddeutschland) bevorzugt im Privatwald (vergleiche hierzu die bayerische Forstreform von 2004!!) dicht mit Fichten aufgeforstet. Viele Arten des Waldes haben bis heute nur deshalb überleben können, da die Kahlschlagswirtschaft immer wieder vorübergehend Lichtungen geschaffen hatte. Doch gerade aus Naturschutzkreisen wird immer wieder eine Plenterwirtschaft gefordert, die umweltschonend sei, aber so mancher Art wegen der dann fehlenden Lichtungen den Rest geben dürfte.

Da sind wir auch schon bei einem weiteren Bedrohungsfaktor der heimischen Natur, nämlich dem Naturschutz selbst. Ich will hier keine zynische Generalschelte abhalten, da zweifellos viele Personen im amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutz einen engagierten und kompetenten Einsatz leisten. Viele Lebensräume werden heute gepflegt wie etwa Wacholderheiden durch Entbuschung oder Flachmoore durch Mahd und sind auch zumindest etwas besser vor Überbauung geschützt als früher. Doch die Probleme sollen nicht verschwiegen werden. Ein Problem ist meiner Meinung nach, dass bei uns aus Kostengründen zu viel dem privaten, ehrenamtlichen Naturschutz überlassen wird. Die hierbei Beteiligten sind - es kann auch gar nicht anders sein - nur unzureichend ausgebildet und kommen zu einseitigen Ergebnissen. So sprechen Vertreter von NABU, BUND und anderen Organisationen beispielsweise von "übernutzter Natur", wenn sie einen extensiv schafbeweideten, steilen Magerrasen mit vielen kahlen Offenbodenstellen und Erosionsflächen sehen. Dass aber gerade darauf Arten wie Berghexe und Pyrgus cirsii, aber auch Pflanzen, Wildbienen, Heuschrecken etc. angewiesen sind, wird aus Unwissenheit nicht beachtet. Häufig sind Angehörige solcher Gruppierungen einseitig auf eine Organismengruppe wie Vögel oder Orchideen ausgerichtet. Leider haben sie aber heute durchaus beachtlichen Einfluss bei Entscheidungen, so dass Schäden durchaus an der Tagesordnung sind.
Ein Beispiel soll das untermauern. Viele Gruppierungen sind im Vogel-, Amphibien- und Libellenschutz aktiv oder pflanzen Hecken. Dabei wollen sie gerade für ihre Jugendgruppen ein attraktives Programm gestalten. Nun werden gerne Teiche, Gehölze etc. aus Platzmangel (gute Flächen geben die Landwirte nicht her) gerade in die letzten noch verbliebenen ökologisch hochwertigen Restbereiche gesetzt, wo dann der Schaden an der vorhandenen Biozönose größer ist als der Nutzen für Grasfrosch, Plattbauch oder Hufeisenazurjungfer. Auch die weit verbreitete Unsitte, wahllos Gehölze in solche Flächen zu pflanzen, ist sehr gefährlich für die meist kleinen Lebensräume. Solche Aktionen sind nur dann von Wert, wenn sie auf bislang ökologisch toter Fläche wie Äckern, Güllewiesen oder Fichtenforsten stattfinden, wenn auch der dortige Nährstoffreichtum erschwerend wirken kann. Bei Memmingen (Bayerisch Schwaben) wurden beispielsweise Teiche in einer kleinen, von Brenthis ino und Polyommatus eumedon besiedelten Fläche angelegt. Desgleichen werden solche ökologisch wertvollen Restflächen auch gerne für Spiel- und Lagerflächen der Jugendgruppen solcher Gruppierungen mißbraucht.

Vielfach ist ein ungesunder weil inkompetenter Aktionismus und eine Konkurrenz von Liebhabern bestimmter Organismengruppen (Ornithologen, Orchideenfans...) zu verzeichnen. So wurde ein Bereich im bayerisch-württembergischen Donaumoos (Leipheimer Moos / Langenauer Ried), der als teilweise trockene, ehemalige Niedermoorfläche beweidet wurde, vom Naturschutz trotz aller Bedenken langjähriger Kenner des Gebiets wohl aus reinem Aktionismus wiedervernässt. Dies hört sich auf den ersten Blick gut an, beleuchtet man die Umstände aber näher, so wird der Unfug schnell klar. In der Fläche haben sich sehr viele akut vom Aussterben bedrohte Trockenbewohner wie u.a. Pyrgus armoricanus und Pseudophilotes baton (beide Rote Liste 1) angesiedelt, benachbarte Feuchtflächen erweisen sich für die Feuchtarten als ausreichend. So kann sich eine Wiedervernässung hier durch eine starke Verdichtung der Vegetation nur dahingehend auswirken, dass die eigentlichen Schutzziele (Magerbewohner) des NSG verschwinden zugunsten einer Monotonisierung. 2008/2009 war bereits eine deutliche Veränderung der Vegetation zu erkennen, eine Beweidung mit Schafen dürfte langfristig aufgegeben werden bzw. nicht mehr ausreichen. Für die Umsetzung der Maßnahmen wurde zudem der Hauptlebensraum von Pyrgus armoricanus stark direkt in Mitleidenschaft gezogen, obwohl dieser durch eine Untersuchung des Autors dem Bayerischen Landesamt für Umweltschutz bekannt war. Somit heißt es hier in den nächsten 10 bis 20 Jahren sehr wahrscheinlich Pyrgus ade!
Solche Bestrebungen sollten nur in bislang ökologisch weniger wertvollen Gebieten erfolgen bzw. wenn Untersuchungen den Nutzen und die weitgehende Unbedenklichkeit attestieren. Faktische, wertvolle Trockenweiden in Sumpf rückzuverwandeln zeugt meiner Meinung nach nur von geringer Sachkompetenz. Es wäre im Umland, in dem derzeit eine extrem ausgeräumte Agrarsteppe über viele Kilometer existiert, genug Raum für Verbesserungen gewesen. Dieses Beispiel zeigt, dass bei prinzipiell an anderen Standorten durchaus wünschenswerten Aktionen immer die jeweiligen Verhältnisse zu berücksichtigen sind.

Auch der Klimawandel ist als Schadfaktor zu erwähnen. Während einige, verhältnismäßig wenige Arten wie Cupido argiades, Lycaena dispar oder Pieris manni (allesamt polyvoltin) von höheren Temperaturen profitieren und sich derzeit ausbreiten, verlieren an kühlere Bedingungen und oft mehr kontinentales Klima angepasste Arten zunehmend ihre Lebensgrundlage. Zu nennen wären hier Arten wie Limenitis populi, Erebia ligea oder Coenonympha tullia. Im Gebirge verschieben sich die Habitate nach oben, soweit das möglich ist. Der Einfluss auf die Arten ist mit Sicherheit umso größer, je zerstückelter und suboptimaler die Habitate bereits sind. Arten in großflächigen Optimalhabitaten halten klimatische Schwankungen in einem gewissen Rahmen sicher besser aus als solche, die bereits bei für sie zuträglichem Klima wegen Biotopveränderungen ums Überleben kämpfen.

Neben Land- und Forstwirtschaft und der Überbauung durch Industrie, Straßen-Infrastruktur und Siedlungen hat der moderne Massentourismus stellenweise großen Anteil an der Zerstörung natürlicher Habitate. So seien etwa der äußerst schädliche Skitourismus in den Gebirgen oder die ausufernde Betonierung einst naturnaher Küstenbereiche am Mittelmeer und auf den Kanarischen Inseln erwähnt. Eine bislang sehr traurige Rolle spielt hierbei auch die Europäische Union. So werden sogenannte "benachteiligte Gebiete" besonders gefördert. Dies sieht meist so aus, dass überdimensionierte Projekte wie (Flug)Häfen, Straßen und sonstige meist wirtschaftlich sogar unsinnige Objekte in bislang naturnahen Bereichen gebaut werden.

Als Fazit ist zusammenzufassen, dass die Natur zum großen Teil in einem bedauernswerten Siechtumszustand angelangt ist, so dass das allmähliche Aussterben einer Art nach der anderen leider Realität ist. Wenn dann noch Institutionen wie das Bundesamt für Naturschutz behaupten, das vielzitierte Artensterben finde in Deutschland so nicht statt (beispielsweise zitiert in der Memminger Zeitung 2004), kann man dies nur als (staatlich gewollte?) Ignoranz bezeichnen. Leider ist die Entfremdung der Menschen von der Natur inzwischen soweit fortgeschritten, dass viele die überdüngte Güllelandschaft der biologisch toten Wiesen des Allgäu im Mai zur Löwenzahnblüte als Natur pur bejubeln. Weiterer Raubbau an der Natur etwa für Umgehungsstraßen wird heute zynisch damit begründet, dass man ja schon nach jedem Frosch schauen würde, der Mensch aber dabei auf der Strecke bliebe. Nun ist zu bedenken, dass bei uns nach objektiver Betrachtung mindestens 90% der Landschaft der Natur völlig entzogen wurde, demnach also bereits dem Menschen dient. Wir sind bereits in einem Stadium angelangt, wo jeder Eingriff, jeder Neubau, jede neue Freizeitmode etc. schädlich wirkt, wirken muss! Nur im Alpenraum hat sich dank besserer Ausgangslage (Steilheit erschwert Nutzung) etwas mehr Natur erhalten bzw. man braucht nur länger um diese immer höher hinaufzudrängen (immer intensivere Nutzung in immer höheren Lagen).
Häufig sind bei uns nur mehr Arten, deren Raupen an nährstoffliebenden Pflanzen wie Brennesseln oder Kohlgewächsen im Kulturland leben können wie Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter, Kleiner Fuchs oder die Kohlweißlinge. So mancher, der diese Allerweltsarten im Garten häufig an Buddleja beobachtet, meint, "die Welt sei noch in Ordnung".

Hier nochmals zusammengefasst die beiden wichtigen Schädigungsfaktoren für unsere Natur:

  1. Der direkte Habitatverlust durch Überbauung, Landwirtschaft, Freizeitindustrie, Forstwirtschaft, Brachfallen früher extensiv genutzter Lebensräume, Grundwasserabsenkungen etwa zur Trinkwassergewinnung usw.
  2. Die schleichende Eutrophierung der Landschaft zum Beispiel aus der Luft oder von angrenzenden Flächen. Schon heute betragen die luftgetragenen, aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft stammenden Stickstoffeinträge in die Landschaft viele Kilogramm pro Jahr und Hektar!
  3. Klimawandel
    Zusammen mit zunehmender Isolation und zunehmend suboptimalen Standortbedingungen (siehe andere beiden Punkte) wirken sich auch klimatische Änderungen und Extreme stärker aus als bei Arten, die in Optimalhabitaten leben.
Überbauung einer wertvollen Magerwiese auf der Schwäbischen Alb noch 2003! Verbuschung eines Felshanges nach Beweidungsaufgabe Auffichtung einer der letzten Auwaldbrennen der Iller bei Memmingen Flächenfraß durch Überbauung erhöht den Druck auf die Landschaft, auch wenn nur ökologisch geringwertige Flächen direkt betroffen sind. intensivste Landwirtschaft im Umfeld des NSG Langenauer Ried

Oft genannt und als Grund für die (ohne Lebensraumschutz sinnlose) Unterschutzstellung von Arten herangezogene Gefährdungsursache ist das Schmetterlingssammeln. Davon abgesehen, dass nur mehr wenige dieses Hobby betreiben, ist heutzutage ein Sammeln um des Sammelns willen vielleicht bei Briefmarken, nicht mehr jedoch bei gefährdeten Lebewesen zu rechtfertigen. Wissenschaftler müssen allerdings gelegentlich Belegexemplare entnehmen, um den Artnachweis bei schwer zu determinierenden Arten erbringen zu können oder um ökologische Untersuchungen durchzuführen. Dies ist heute von Ausnahmegenehmigungen abhängig, die sicher die Forschung in gewisser Weise behindern können. So sind Genehmigungen lange vorher zu beantragen, aber es liegt in der Natur der Wissenschaft, dass Fragen oft unvorhersehbar und kurzfristig auftreten können. Andererseits werden solche Genehmigungen bei begründeten Anträgen heute kostenlos und zumindest nach eigener Erfahrung auch bereitwillig erteilt. Diese vieldiskutierte Problematik soll hier nicht weiter vertieft werden. Jedenfalls bleibt festzuhalten, dass Insektenarten mit ihrer hohen Reproduktionsrate, in die der Verlust fast aller Nachkommen einkalkuliert ist, anders als Wirbeltiere nur unter besonderen Umständen durch Besammelung ernsthaft bedroht werden können und dieser Faktor als untergeordnet gelten kann. Solche Umstände wären, dass die Art sehr attraktiv ist und nur sehr lokal eng begrenzt vorkommt sowie bereits stark zurückgeht und leicht zu sammeln ist. Als Paradebeispiel seien hier die außeralpinen Populationen des Apollo-Falters genannt oder auch das Widderchen Zygaena fausta. Nur diese wenigen Arten wären eigentlich in Artenschutzverordnungen pauschal aufzunehmen, bei manchen anderen höchstens lokale Populationen in seltenen Fällen.

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