Angesichts der unter dem Punkt Gefährdung aufgeführten Probleme ist ersichtlich, dass der Schutz der
Natur kein leichtes Unterfangen ist, sondern einer vielschichtigen Herangehensweise bedarf. Deshalb
seien im folgenden die nach Meinung des Autors notwendigen Schritte angeführt.
Kurzfristige Ziele
Sicherung sämtlicher noch vorhandener ökologisch hochwertiger Lebensräume
Dies beinhaltet die notwendigen Pflegemaßnahmen wie extensive Beweidung, Entbuschung, Streumahd,
Auslichtung, Niederwaldnutzung etc. Da die wirklich wertvollen Biotope nur mehr wenige % der
Fläche ausmachen, sollte dies realisierbar sein und wird auf Teilflächen auch bereits praktiziert.
Der so viel zitierte Prozeßschutz ist unter den heutigen Voraussetzungen sinnvoll nur an wenigen
Stellen durchzuführen, so noch intakten Primärlebensräumen wie noch sehr wenigen Hochmooren oder
Gebirgswäldern und auf bislang ökologisch geringwertigen Flächen. Ansonsten ist dieser nur eine
gigantische Artenvernichtungsstrategie in unserer zerstückelten, überdüngten und zu über 90% der
Natur entzogenen Landschaft, da die meisten Habitate zuwachsen und trivialisiert würden.
Die hochwertigen Lebensräume müssen auch Vorrang vor Land- und Forstwirtschaft, Siedlungsbau,
Verkehrswegen etc. haben und dürfen nicht mit Argumenten wie dem "Gemeinwohl" ( = kurzsichtige,
nur auf wirtschaftliche Belange ausgerichtete Gewinnmaximierung) ausgehöhlt werden. Gleichzeitig ist der
exorbitant hohe Landschaftsverbrauch durch Verzicht auf ständig neue Wohngebiete, Strassen und
flächenfressend flach gebaute Industrieanlagen zu verringern. Es kann nicht gut gehen, wenn jede
Gemeinde und alle wirtschaftlichen Kennzahlen immer nur wachsen sollen. Die Ressourcen sind nämlich
endlich! Da mutet es doch seltsam an, wenn eine engstirnige, hilflose und überholte Politikerriege noch 2009/2010 ein "Wachstumsbeschleunigungsgesetz"
in Deutschland beschloss. Vielmehr müssen Konzepte her, die mehr Qualität statt Quantität zum Ziel haben und dazu sowohl
einen sinnvollen Bevölkerungsrückgang als auch weiteren technologischen Fortschritt zu nutzen und zu fördern wissen.
Bislang war der Naturschutz fast ausschließlich auf die kurzfristigen Ziele (vorläufige Sicherung noch vorhandener Habitate durch Unterschutzstellung und teilweise Pflege) ausgerichtet, allerdings oft nur
mit mäßigem Erfolg. Wenn nämlich etwa eine Autobahn durch ein Moor gebaut werden sollte, dann wurde
sie letztlich auch durch alle Widerstände durchgedrückt.
Das allein reicht jedoch nicht aus, weil beispielsweise die luftgetragene Eutrophierung Ausmaße annimmt,
die Mitteleuropa bald in Uniformität ertrinken lassen werden.
Mittelfristige Ziele
Ausweitung und Aufwertung der kleinflächigen Lebensräume
Hierunter fällt die Entfernung von Fichtenforsten in Moornähe, die Regeneration von aufgeforsteten Magerrasen,
die Extensivierung im Umkreis noch magerer Landschaftsbestandteile, der echte Schutz von
Naturschutzgebieten, der Umbau lichtarmer Forste in lockere (!) Mischbestände mit
Lichtungen etc. Es ist ein Witz, dass innerhalb von NSGs oft noch schüdliche Aktionen wie Angeln,
Klettern an Felsen etc. erlaubt sind. Schonende Betätigungen wie Wandern auf ausgewiesenen Wegen muss
allerdings erlaubt bleiben (das Wegegebot ist auch nicht in allen Fällen sinnvoll). In Deutschland wurde unlängst eine Biotopvernetzung gesetzlich beschlossen, die 10% der
Landesfläche umfassen soll. Doch leider wird dies so umgesetzt, dass es niemandem weh tut. So werden Flächen
ausgewiesen, die sowieso bereits geschützt bzw. sehr oft nicht besonders schutzwürdig sind wie manche Waldgebiete in ihrem derzeitigen Zustand.
Verbesserung wird damit keine verbunden. Viele Regionen in
Deutschland tun sich auch bei nüchterner Betrachtung bereits schwer, noch 10% wirklich hochwertige Flächen zu finden,
weil diese längst weit darunter liegen.
Extensivierung in der Fläche
Auch die momentan ökologisch toten Flächen sollten zumindest zu einem nicht geringen Teil wieder
naturnäher, extensiver werden. Das ist auf Äckern durch verringerten Chemikalieneinsatz, auf Wiesen
durch geringere Düngung und verminderte Schnitthäufigkeit und im Wald durch Verzicht auf dichte
Aufforstungen mit Nadelholz bzw. auch durch einen gänzlichen Verzicht auf Aufforstung von Windwurfflächen,
Kahlschlägen etc., durch Anlage und Freistellung von Lichtungen sowie durch Schonung von
Weichhölzern zu erreichen. Dazwischen sollten abgestufte Übergänge und keine scharfe Trennlinie liegen,
wie das heute noch zumeist der Fall ist.
Naturschutzverwaltung
Mittelfristig muss auch eine Umstrukturierung der Naturschutzverwaltung erfolgen. Es müssen mehr gut
ausgebildete, Artenkenntnisse besitzende Personen beschäftigt werden, die auch durch entsprechende
Befugnisse handlungsfähig sein müssen. Heute sind hier oft Absolventen der Landschaftspflege und der
Biologie ohne ausreichende Spezialkenntnisse anzutreffen, da bürokratische Kenntnisse oft höher
eingeschätzt werden.
Es müssen fachlich ausgewogene Pflegekonzepte erstellt werden, die nicht nur auf eine einzige Gruppe wie Orchideen oder Falter ausgerichtet sind,
sondern die gesamte Biozönose erfassen. Nach diesen Konzepten sollte dann auch der heute manchmal recht einseitig ausgerichtete und nur in Teilbereichen
kompetente ehrenamtliche Naturschutz (dessen dennoch sehr wichtige Rolle beim Biotopschutz unbedingt zu würdigen ist) vorgehen. Der Naturschutz muss eine ähnlich wichtige Rolle
wie Bildungswesen oder Wirtschaft spielen, auch wenn dies Geld kostet!
Langfristige Ziele
Langfristig müssen die Bereiche Klimaschutz, weltweiter Lebensraumschutz und Reinhaltung von Boden,
Luft und Gewässern sichergestellt werden. Dies ist nur durch zwei Maßnahmen zu bewerkstelligen:
- Technologische Weiterentwicklung hin zu umweltschonenderen Produktionsverfahren und
Energiegewinnungsformen durch Umstrukturierung von Besteuerung und Fördermaßnahmen
Die Alternative zu technologischem Fortschritt, nämlich Verzicht und der Rückschritt in zentralen Bereichen unseres Lebensstandards
wäre langfristig nicht durchsetzbar und auch nicht wünschenswert. Kurzfristig ist der Verzicht auf
manche nicht grundlegend wichtigen Dinge allerdings durchaus notwendig!
Dies beeinhaltet auch, dass nur mehr sinnvolle Verfahren bezuschusst werden und kontraproduktive
Verfahren (etwa sinnlose Transporte im LKW hin und her wie z.B. Milch aus Norditalien) benachteiligt
werden. Zudem sind nicht alle umweltschonenden Energiegewinnungsformen auch naturschonend. Beispielsweise
wurden und werden durch die Nutzung der Wasserkraft viele Auenlebensräume völlig entwertet und auch der Flächenverbrauch von Solar - und Windkraftanlagen ist nicht unerheblich.
So wurde bei Memmingen eine Kiesgrube mit zahlreichen interessanten Nachtfalterarten (u.a. Nachtkerzenschwärmer) durch eine Solaranlage vernichtet.
In der Landwirtschaft sollte die EU dahingehend umsteuern, dass Subventionen nur mehr für Biotopflächen vergeben werden. Nur die Landwirte also, die
beispielsweise Flachmoore fachgerecht pflegen, Magerrasen traditionell nutzen bzw. pflegen oder extensive Beweidungsformen realisieren, erhalten dann noch Geld und plötzlich sind Streuwiesen wieder
begehrt! Auch sonst muss die Europäische Union, die derzeit wohl als der größte Förderer von immer neuer Landschaftszerstörung gelten kann (etwa Stichwort Förderung sogenannter benachteiligter Gebiete), in weiten Bereichen umdenken.
- Geburtenkontrolle
Dieser Punkt darf als die weltweit wichtigste Aufgabe der Zukunft angesehen werden. Es ist erstaunlich, wie wenig
diesem Punkt momentan noch Bedeutung zugemessen wird. Hiermit ist nicht nur die sog. dritte Welt gemeint,
wir müssen vor unserer Haustüre damit anfangen. Mitteleuropa zählt zu den am dichtesten besiedelten Räumen
der Erde. Wenn es nicht gelingt, das Bevölkerungswachstum umzukehren, wird unser Planet in wenigen
Jahrzehnten trotz aller technologischer Anstrengungen unbewohnbar sein. Er wäre es schon heute, wenn
sämtliche "unterentwickelten" Länder der Erde von ihrem unbestrittenen Recht Gebrauch machen würden,
ihren Lebensstandard an den unseren anzugleichen! Diese Geburtenkontrolle setzt auf die Ausnutzung
eines natürlichen Geburtenrückganges sowie auf Einsicht und ist nur so zu erreichen, dass eine
wirtschaftliche Absicherung der bislang von Kinderreichtum abhängigen Menschen erfolgt.
Früher verhinderten Seuchen und Kriege ein zu hohes Bevölkerungswachstum. Nachdem dies heute
glücklicherweise nur mehr in geringem Umfang der Fall ist, müssen andere Strategien her, um mit
dem Problem umzugehen. Ein Ignorieren aus weltanschaulichen, religiösen oder wirtschaftlichen Gründen
darf jedenfalls nicht länger stattfinden.
Doch bei uns wird es beispielsweise aus kurzsichtigem Blick auf die Rentenkasse als Katastrophe
bezeichnet, wenn die Geburtenrate etwas sinkt. Doch meiner Meinung würde langfristig eine um etwa ein
Drittel geringere Bevölkerung auch in Europa nur Vorteile bringen. Dass bis zum Erreichen dieses Ziels kurz- und
mittelfristig manch schmerzhafter, finanzieller Einschnitt notwendig ist, sei unbestritten. Aber in
einer auf kurze Wahlperioden ausgerichteten und mental eher gestrigen Politik ist so was kaum zu vermitteln...
Abschließend ist zusammenzufassen, dass die vielschichtigen Probleme nur durch sofortiges Handeln in den
Griff zu bekommen sind. Und dabei geht es nicht nur um ein Paar Schmetterlinge, die ein komischer
"Weltverbesserer" (wie wohl manche nach der Lektüre denken mögen) erhalten will, sondern langfristig
auch um eine lebenswerte Existenz des Menschen!
Bei der Natur des Menschen darf allerdings gezweifelt werden, ob die bei nüchterner Betrachtung
notwendigen Schritte eine Aussicht auf Realisierung haben. Hier verhalten wir (die ach so intelligente
Krone der Schöpfung!) uns noch ganz wie jede x-beliebige andere Tierart, die sich bei geringem Feinddruck und
ausreichender Nahrungsgrundlage so lange vermehrt, bis die Ressourcen völlig aufgebraucht sind und /oder
Seuchen ausbrechen. Doch bei unseren technischen Mitteln, den Zusammenbruch hinauszuzögern, wird das
Ergebnis - so steht zu befürchten - nur umso gründlicher sein. Der Mensch kann es prinzipiell schaffen,
doch leider unternimmt er gewöhnlich erst etwas, wenn die Katastrophe bereits da ist und es für viele Bereiche zu spät ist.
Aber noch ein in kosmischen Größenordnungen ebenso erbauliches wie zum Nachdenken anregendes
Abschlusszitat:
Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: Du siehst aber schlecht aus! Was hast Du denn? Antwortet
der andere: Homo sapiens! Darauf der eine: Tröste Dich, das geht auch vorbei!
Was kann der Einzelne tun?
Nachdem ich nun in die grundsätzlichen, aber nicht schmetterlingsspezifischen (das Angeführte gilt für die gesamte
Erde) Probleme sowie Lösungsansätze abgeglitten bin, möchte ich mich wieder mehr auf die Schmetterlinge
konzentrieren.
Möglichkeiten gibt es viele, aber auch falsche Erwartungen. So kann man beispielsweise einen
schmetterlingsfreundlichen Garten einrichten. Hierzu sollten einheimische Sträucher gepflanzt werden
und eventuell eine fachgerechte Blumenwiese angelegt werden. Doch dabei sollten je nach Nährstoffgehalt
des Bodens keine allzu hohen Erwartungen etwa an eine alpenmattenähnliche Blüte gehegt werden. Ich selbst
habe nach etlichen Jahren eine ganz ansehnliche, Ende August gemähte Wiese mit Klappertopf, Knautie,
Storchschnabel, Dost etc. hinbekommen, doch viele Zeitgenossen würden diese im August als braune
Unkrautwiese abstempeln. Man sollte sich auch keine Illusionen machen, was den Beitrag zum Artenschutz
angeht. In kleinen Hausgärten siedeln sich fast nur euryöke, wenig gefährdete Arten an (die aber teils
auch immer seltener werden), wenn ich mich auch immer wieder beispielsweise über die hohe Artenzahl an
Wildbienen gefreut habe, darunter auch gefährdete Arten. Wichtiger ist der pädagogische Effekt. Hierzu
kann man einen Sommerflieder (Buddleja davidii) im Garten pflanzen, der dann u.a. die schönen, noch
häufigen und ungefährdeten Nesselfalter anlockt. Dies sollte man aber besser nur in Gegenden tun, in denen er nicht zur Verwilderung neigt,
also etwa im Voralpenland und allgemein in höher gelegenen Gegenden, nicht jedoch am Rhein, wenn auch dort die Ausbreitung eh nicht mehr
zu verhindern sein wird und die Art keine solche Pest wie etwa Solidago darstellt.
Wenn auf manchen Blumensamenmischungen etwa mit Sedum album für Apollofalter geworben wird, ist das schon
fast Betrug, da sich erstens diese konkurrenzschwache Art nicht in Blumenwiesen im Garten durchsetzen
kann und zweitens der fast ausgestorbene Habitatspezialist Apollofalter diese niemals erreichen würde.
Weiterhin sollte man gegen Habitatzerstörungen im eigenen Lebensumfeld angehen, wenn beispielsweise
wieder ein Industriegebiet, eine Straße, ein Hochwasserrückhaltebecken, eine Skipiste etc. gebaut
werden soll, sich in seiner Freizeit naturschonend verhalten (Verzicht auf Klettern in sensiblen
Bereichen, Mineraliensammeln an kleinflächigen Standorten wie Steinbrüchen und Felsheiden der
Mittelgebirge, Querfeldeinfahren mit dem Mountainbike in sensiblen Restbiotopen, Lagern, Feuermachen in Magerrasen, Skifahren
abseits der Pisten, also leider einige Aktivitäten, die sicher Spaß machen, aber durch weniger
schädliche ersetzt werden können). Man kann sich beispielsweise auch in der Biotoppflege engagieren.
Nur sollte hier eine fachgerechte Durchführung gewährleistet sein. Ganz besonders wichtig ist ferner
eine Unterstützung politischer Kräfte (deren es momentan leider wenige gibt) und ehrenamtlicher
Gruppierungen, die sich für die Natur einsetzen.
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