Details zur ausgewählten Art
Pyrgus accretus (Ähnlicher Würfel-Dickkopffalter)

Pyrgus accretus: Weibchen-Oberseite Pyrgus accretus: Unterseite Pyrgus accretus: Kopula, Männchen rechts Pyrgus accretus: Portrait Pyrgus accretus: Ei an Potentilla Pyrgus accretus: halbwüchsige Raupe Pyrgus accretus: Raupe Pyrgus accretus: Raupe Pyrgus accretus: Puppe Pyrgus accretus: Habitat im Schweizer Jura

Raupennahrungspflanzen:
Potentilla tabernaemontani (=verna) und wahrscheinlich auch Helianthemum nummularium

Lebensraumansprüche:
(Kalk)Magerrasen mit flachgründigeren Anteilen, von der Ebene bis über 600 m NN etwa im Schweizer Jura, oft teils bebuscht oder als größere Flecken im lichten Wald (nur wenn räumlich im Verbund). Nach bisheriger Erkenntnis in Deutschland nur im Rheintal (+ Nebenflüsse?), dort aber vermutlich bereits ausgestorben. Vielleicht aber auch weiter östlich (nördlich des Maintals) verbreitet, was noch zu belegen wäre.

Entwicklungszyklus:
Eine Generation pro Jahr. Die Raupe überwintert zwischen L2 und dem vorletzten Stadium. Falter von Mitte Mai (Tieflagen) bis Anfang September (hauptsächlich in höheren Lagen)

Gefährdung: gefährdet

Gefährdungsursachen:
Durch Lebensraumverlust: Verschwinden von Magerrasen (Aufforstung, Beweidungseinstellung, Überbauung, Aufdüngung, Sukzession). In tiefen Lagen fast verschwunden.

Bemerkungen:
Im Sommer 2006 wurde die bereits bei SBN (1997) von dort erwähnte Population des der P. alveus-Gruppe zugehörigen Taxons P. accretus im Schweizer Jura am Mont Tendre, Kanton Vaud, untersucht. Hierbei konnten die Ergebnisse von SBN (1997) dahingehend bestätigt werden, dass diese Population tatsächlich an Potentilla tabernaemontani ablegt.
Die ca. 30 aus einer Kopula erhaltenen Eier (+ einige Freiland-Eier an Potentilla tabernaemontani) entwickelten sich im Zimmer bis Anfang September teils zum Überwinterungsstadium L4 und stellten dann die Nahrungsaufnahme ein, teils subitan zur Puppe (zusammen mit denen aus den Eifunden: n=6). Dabei wurden sie sowohl mit H. nummularium als auch mit P. tabernaemontani ernährt. Selbst mehrfache Wechsel gelangen ähnlich P. armoricanus problemlos.

Die Raupen unterschieden sich insofern in allen Stadien gering von den mir bislang bekannten P. alveus-Raupen der Schwäbischen Alb und verschiedener Teile des Alpenraums, dass die helle Begrenzung ihrer Nebenrückenlinien konstant deutlicher war. In der hellbeigen Grundfarbe und weiteren Punkten waren jedoch keine Unterschiede festzustellen. Die 6 erhaltenen Puppen wiesen hingegen keine Unterschiede auf.

Diskussion:
Der problemlose Wechsel auf Helianthemum und die Ablagen bei der Zucht machen die natürliche Nutzung dieser Gattung im Freiland zumindest wahrscheinlich. Die vermutliche Potentilla-Nutzung in anderen Gegenden (Norddeutschland, Polen etc) wird verständlich.
Somit scheint eine gewisse genetische Verschiedenheit zu bestehen, was auch die (leichten) Unterschiede bei den Raupen und den Faltern implizieren. Allerdings gibt es meiner Kenntnis nach keine bewiesenen, auf ökologischen Unterschieden und/oder reproduktiver Isolation gründenden syntopen Vorkommen von P. alveus und P. accretus. Die bislang als solche publizierten, allein auf phänologischer oder auch phänotypischer Festlegung beruhenden wie etwa am Kaiserstuhl sind mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch (nur ein Taxon vorkommend). Der ganze P. alveus-Komplex bedarf zudem unbedingt weiterer Untersuchungen. Momentan ist das Taxon accretus vermutlich am besten als infraspezifische Einheit von P. alveus aufzufassen.



Weitere Informationen finden sich in Wagner (2006 a) im Downloadbereich!


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