Raupennahrungspflanzen:
Die Raupen leben allgemein an Potentilla verna und P. pusilla, stellenweise aber auch an anderen Potentilla-Arten. In der Provence wird sie von Nel von Potentilla hirta berichtet. Im äußersten Norden Griechenlands fand ich eine Raupe an P. recta sowie am Falakron zahlreiche Eier an Potentilla cinerea.
Lebensraumansprüche:
Pyrgus carthami besiedelt Steppenheiden und Kalkmagerrasen. Als Larvalhabitat dienen dabei Potentilla-Polster, die auf sonst nur sehr spärlich bewachsenem Grund stocken und mikroklimatisch begünstigt sind. In der Valle die Susa (Südwestalpen) sind dies Stipa-Felsheiden in etwa 500 m Höhe.
In den südwestlichen französischen Alpen (Provence) ist mir Pyrgus carthami von einem beweideten, trockenen Gelände in 1500 m NN bekannt, wo auch P. bellieri, Zygaena hilaris und Chelis maculosa fliegen. Auch dort erfolgt die Eiablage an P. pusilla.
Entwicklungszyklus:
Pyrgus carthami weist eine Generation auf, die zumeist von Mitte Mai bis Mitte Juli fliegt und deren Nachkommen im vorletzten Stadium überwintern. Gelegentlich kommen aber auch später Falter vor, die in jüngeren Larvalstadien überwintert hatten und deren Nachkommen dann dasselbe tun, da bis zum Winter weniger Zeit verbleibt. So fand ich am 30.08.2007 im Wallis auf 1500 m NN noch abgeflogene Weibchen.
Bei einer Zucht mit südfranzösischem Ausgangsmaterial wurden bei wenigen sich subitan entwickelten Raupen fünf Häutungen festgestellt, was aber noch weiter zu untersuchen sein wird (Zuchteinflüsse).
Gefährdung: stark gefährdet
Gefährdungsursachen:
Pyrgus carthami ist wie die meisten anderen Pyrgus-Arten in Mitteleuropa nördlich der Alpen aufgrund von Habitatverlust und -veränderungen zu einer großen Seltenheit geworden und ist nur in den großen Flusstälern mit begleitenden Steilhängen noch etwas verbreiteter (Main, Nahe, Oder?). In Baden-Württemberg ist sie verschollen.
Bemerkungen:
Obwohl Pyrgus carthami die größte europäische Pyrgus-Art ist, weist sie die kleinsten Eier und als ausgewachsene Raupe zudem interessanterweise die kleinsten Kotballen auf.
Der Falter ist von Südspanien lokal über Mittel- und Südeuropa (fehlt aber vielerorts wie in ganz Zentral- und Südgriechenland) bis Mittelasien (Iran, Südrußland etc.) verbreitet. Am häufigsten ist sie noch in den Gebirgen der iberischen Halbinsel, den Süd- und Südwestalpen und stellenweise in Südosteuropa.
Die Raupe ist meist olivbraun bis beige mit schwärzlich verrauchtem Brustbereich. Raupen aus dem Falakron-Gebirge (Griechenland) waren aber deutlich heller gefärbt (Zuchtbeobachtung).
Hinweise zur Bestimmung:
Die Falter sind anhand der Größe und dem meist durchgehend weiß gefärbten Ausßenrand der Flügelunterseite vergleichsweise leicht zu bestimmen. Auf der Hinterflügel-Oberseite ist wie bei P. sidae nahe dem Außenrnd oft eine regelmäßige Reihe weißer Flecken entwickelt.